Als erstes sticht der riesige Glitzervorhang ins Auge. Für kein passenderes Bühnenbild hätte sich die Band entscheiden könne. Ruhig und gelassen die Stellung haltend hängt er dort, aber dennoch scheint er mitzutanzen, bei jedem Ton und jeder Bewegung, die von der Bühne nach hinten schwappt. Er ist eine überdimensionale Discokugel, wie so vieles an diesem Abend die gekonnte Verbindung zwischen den Disco-affinen 70ern und der jetzt-Zeit.

Die Band auf der Bühne, stürmisch von den Fans begrüßt, fühlt sich wohl in ihrer Rolle. Die 5 Jungs leben ihre Musik, sie scheinen die Instrumente mit ihrem ganzen Körper zu spielen, jeder Ton spiegelt sich in deren Bewegungen wieder. Sei es das versunkene mitgrooven oder der stürmische, enthusiastische Sprung über die Bühne. Sie wirken erfreut, fast heiter amüsiert über das ihnen ergebene Publikum. Die Parcels produzieren einen beschwingten, spielerischen Sound. Die Verflechtungen verschiedener Rhythmusstränge verbinden sie gerne mit staccatohaft performten Texten oder ineinander verwobenen vokalen Harmonieteppichen. Jeder in der Band singt und bekommt ausreichend Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen. Den Song Allaround starten sie mit einer großzügigen a capella Performance und spätestens hier kann niemand mehr an ihren Gesangskünsten zweifeln. Das Publikum zeigt offenkundige Begeisterung.

In der bayerischen Landeshauptstadt scheint sich die Gruppe wohl zu fühlen. Zur Begrüßung schmeißen sie ein „Servus München“ in die Runde, das heimische Bier kann sich vor Lob kaum retten. Sogar als Percussioninstrument findet sich eine der besagten Flaschen in der Show der mittlerweile in Berlin lebenden Australier wieder.

Bereits nach dem dritten Song – Hideout – gibt es tiefe Verbeugungen, quittiert mit tosendem Applaus. So geht das die ganzen 70 Minuten, die die Jungs auf der Bühne verbringen. Der Abend gleicht einem Wellenritt auf stürmischer See; meist beginnen die Songs ruhig und minimalistisch, steigern sich aber in den darauffolgenden Minuten zu einem akustischen Höhepunkt, enden in tosendem Applaus und bei der nächsten Nummer wiederholt sich dasselbe Spiel von vorn. Im Zuschauerraum spiegelt sich der Enthusiasmus wieder, in jeder Ecke wird getanzt. Wenige Smartphones, viel Bewegung, ein emsiger Bienenschwarm.

Gute Vorarbeit muss man dabei der Supportband The Lovely Days zuschreiben. Die drei langhaarigen Jungs geben sich wortkarg. Ihre Selbstsicherheit steigt mit jedem Lied, genauso wie die Rasantheit der Lieder und der Anteil der Tänzer im Publikum, ihr Sound ist rockig. Zu Ende ihrer Performance ist das Publikum aufgewärmt und vorfreudig auf den Mainact des Abends.

Sympathisch helfen die Parcels selbst beim Umbau, lassen sich aber später dennoch Zeit, die Show zu eröffnen. Wenigstens sorgt ein passender Musikmix dafür, die Fans in der richtigen Laune zu halten. Man wird abgeholt beim rockigen Sound der The Lovely Days, der sich mischt mit den Klängen der 70er und 80er. Das Puzzle fügt sich zusammen mit dem ersten Ton der Parcels: Outfit, Frisur, Klang, Licht und Glitzervorhang. Das alles ist ein homogenes Paket, eine Fusion aus den 70ern und der Jetzt-Zeit.

Zu Recht wurde die Veranstaltung aus dem Strom ins Technikum hochverlegt, zu Recht war die Veranstaltung ausverkauft. Die Formation wartet auf mit einer Mischung aus Bekanntem (Overnight, Older, Gamesofluck) und Neuem (Bemyself). Am Ende der Show lassen sie sich nicht lange bitten und spielen Comedown als Zugabe. Nach etwas mehr als einer Stunde Spielzeit verlassen sie die Bühne, cut, aus. Kein endloser ermüdender Verbeugungs-Applaus-Zugaben-Marathon. Übrig bleibt nur der schillernde Glitzervorhang.