Southside Freitag Highlights

1. CASPER

„Lang lebe der Tod!“ schreit das Ausnahme-Indierapper Casper der Meute entgegen und kündigt somit nicht nur den Titeltrack seines nächsten Albums an, sondern läutet auch einen weiteren Zyklus im künstlerischen Schaffen des Benjamin Griffey ein. Es wird dunkel, finster, eindringlich und stocksauer in der Welt Caspers. Und wer den gebürtigen Extertaler kennt, weiß, dass er keine Ruhe gibt, bis er dieses Gefühl ausgekostet und in unwiderstehliche Songs verpackt hat, die sich wie Perlen auf einer Kette auf dem Album aneinander reihen und, zusammen mit alten Hits, Livesets ergeben, die wie Zunder brennen werden. Hat Casper sich in jüngster Zeit medial auch rar gemacht, so kehrt er 2017 wieder mit aller Wucht zurück auf die Bühne, um uns mit Haut und Haar zu verspeisen. So sei es denn!

2. MANDO DIAO

Was für Erinnerungen! Die halbe Generation Y hat zu Mando Diaos unverwechselbaren Riffs ihren ersten Apfelkorn getrunken, das erste Festival besucht oder ihren ersten Schwarm geküsst. Die hitverwöhnten Schweden sind heute aber mehr als ein romantischer Flashback, sondern gemeinsam mit ihren ersten Fans erwachsen geworden. Und heute beglücken sie generationenübergreifend mehr Menschen, als sie sich während ihrer Anfänge in der schwedischen Provinz je erträumen konnten. Ihr Anspruch ist mit ihrem zunehmenden Einfluss nur weiter gewachsen: Sie vertonen Lyrik oder richten Streetart-Festivals aus – einfach weil sie’s können. Aber egal was sie tun, ihr Erfolg stellt sich anscheinend automatisch ein. Und die Generation Y scheint ausnahmsweise nicht nach dem „Warum“ zu fragen. Einfach mal genießen!

3. WOLFMOTHER

Die Grammy-Gewinner Wolfmother sind zurück! Ihre neue Platte „Victorious“ ist Rock’n’Roll und retro pur im Jetzt, was der Band um das kreative Mastermind Andrew Stockdale schon sehr gut steht! Denn genau so haben die Australier im Jahr 2005 mit ihrem Debüt auch erfolgreich ihre Musikkarriere vorangetrieben: großer Sound zwischen Garage-artiger Energie und einer satten Produktion. Aufgenommen wurde die Platte mit Brendan O’Brien, der für den Sound vieler Rockbands, von Pearl Jam bis Bruce Springsteen, mitverantwortlich war! Die Platte ist wild, energiegeladen und wie gemacht für heiße Clubs, volle Hallen und große Festivalbühnen gleichzeitig. Bierbecher werden fliegen, Köpfe werden bangen und die Laune wird steil nach vorn gehen!

4. YOU ME AT SIX

Die Briten waren jahrelang wie vom Erdboden verschluckt. Ziemlich genau drei Jahre nach dem Vorgänger „Cavalier Youth“, der sie in ihrer Heimat auf den ersten Platz der Charts katapultierte, setzten YM@6 mit „Night People“ einen weiteren Indierock-Akzent, der nicht zu überhören ist. Nach zehn Jahren hatte das Quintett, das schon seit dem Debütalbum in dieser Formation zusammenspielt, eine Pause gebraucht um nachzudenken: Wie kann die Band ein neues Level erreichen? Alles, was danach kam, war harte Arbeit. Sie machten sich daran, die nächste Stufe zu erklimmen, und – mission accomplished! Erneut präsentieren sie neue Songs die magisch sind wie eh und je! Eine wenig gewagte Prognose dürfte sein, dass You Me At Six auch in diesem Festivalsommer das Publikum zum Kochen bringen werden!

5. BILDERBUCH

Wenn man an ein Bilderbuch denkt, denkt man zunächst natürlich an – Bilder. Und Farben. Wenn man die Band Bilderbuch denkt, geht es einem genauso. Dieses Gelb des Lamborghini Diablo und der Handschuhe von Sänger Maurice Ernst im Video von „Maschin“, diese Kombination aus türkis, blau und grün in „Plansch“, diese ikonografischen Szenen im Sportwagen mit sich hebenden und senkenden Fenstern oder die Kinder, die in extremer Zeitlupe Arschbomben machen: All das hat man im Kopf, wenn man an Bilderbuch denkt. Und daran, dass Bilder und Musik so eine grandiose Symbiose eingehen. Bilderbuch stehen jedoch auch für musikalischen Fortschritt, hin zu mehr Vielfalt, zu einer ausgeprägteren Produktion, zu klareren Strukturen. Auch live haben Bilderbuch noch eine Schippe draufgelegt, sind ihre Konzerte doch immer mehr Wallfahrtsorte für Eklektik und kluger Ausschweifung. Schweift mit!

6. 257ERS

Aufgepasst! Die durchgeknallte Hip Hop-Crew aus dem tiefsten Kohlenpott, Essen-Kupferdreh, liefert Euch einen derben Sound und grandiose Live-Shows. Zwischen stillgelegten Zechentürmen und Hochöfen haben sich die Jungs ihre ganz eigene Definition von deutschsprachigem Hip Hop geschaffen und somit auch ihr Markenzeichen – die bekloppten Texte, die mit banalsten Banalitäten als Ausgangspunkt für die selbstironischen Wortfeuerwerke herhalten und von Beats flankiert werden, die einem Kirmesbesuch auf LSD gleichen. Kein Thema, das nicht als Inspiration für die mit Wortwitz und Endlosreimen gespickten Texte dient und kein noch so trashiges Musikgenre, das nicht als liebgemeinte Hommage in die Produktionen einfließt. Wir können den Wahnsinn kaum erwarten!

7. PASSENGER

Die ersten Takte laufen, die ersten Akkorde sind angeschlagen, die erste Strophe setzt ein und sofort ist da so eine nicht greifbare Atmosphäre. Beinahe unheimlich. Aus Einsamkeit wird Zusammenhalt, aus unbekannt wird seelenverwandt, aus unbeteiligt wird mittendrin. Ja, so und nicht anders ist das, wenn Passenger spielt. Der zurückhaltende Brite schnappt sich seine Klampfe, ordnet seine Millionen Worte und singt so ergreifend, so berührend, so mitreißend, als könnte er direkt in die Köpfe seines Publikums schauen. Nichts da mit Schmalz und Schnulz – Passenger schafft es, die wichtigen Themen aufzugreifen und alle gnadenlos mitzureißen – einfach so, durch pure Ehrlichkeit und Leidenschaft.

8. ALT-J

Kaum ein Album hat die Kritiker so nachhaltig aus den Socken gehauen wie Alt-J‘s Erstwerk „An Awesome Wave“, gerade weil es so unkonventionell war und mit der Zeit stetig wuchs. Mittlerweile sind die Briten nur noch zu dritt unterwegs: Die verbliebenen Mitglieder setzen weiter ihre klangtechnischen Duftmarken und scheuen nicht einmal davor zurück, Miley Cyrus zu sampeln.  Originelle Melodieführung,  vielfältiger Instrumenteneinsatz und komplexe Arrangements machen ihre Musik zu einer Blaupause dessen, was da live auf uns zukommt. Denn Alt-J sind bei all ihrer Nerdigkeit keine Shoegazer, die inspirationslos ihre Stücke herunterspielen. Mit ihrer Kombination aus folkigen und Indie-Passagen, den akustischen und den elektronischen Klangwelten, der Liebe für HipHop-Beats und dem summend-näselnden Gesang bieten Alt-J grandiose Shows.

9. CALLEJON

Der Macht von Industrie und gesellschaftlichen Ängsten setzen Callejon die Kraft der Musik und der Kunst entgegen. Unangepasst stoßen Callejon mitten ins Herz des modernen Metallers. Da werden keinen Gefangenen gemacht: Dicke Gitarren, ne Menge Metal und –core, Gebölke gepaart mit Melodien, dass einem das Herz aufgeht. Düster, direkt und so dermaßen auf den Punkt klingt Callejons Sound, der lebt und atmet. Angst und Wut sind die beherrschenden Themen ihres Schaffens. Callejon sagen auf drastische Art, was gesagt werden muss. Sie schrieben den Soundtrack zur emotionalen Verrohung der Gesellschaft und der zunehmenden Unmenschlichkeit. Hört genau hin!


Das sind unsere Highlights für den ersten Festivaltag beim Southside 2017.

Um euch die Wartezeit für das diesjährige Festival zu verkürzen, werden wir nun alle paar Tage unsere persönlichen Highlights der jeweiligen Tage verkünden!