Faber – Sei ein Faber im Wind – Review

Faber provoziert. Er tut es laut, leise, fröhlich, melancholisch oder angreifend. Nicht ein Lied seines neuen Albums „Sei ein Faber im Wind“ (VÖ 7.7.2017) gesellt sich zur Riege der Blassen und Austauschbaren. Wenn beim ersten Hören vor allem die kratzige, säuselnde und doch volle, tiefe Stimme auffällt, so gerät auch nach und nach der Inhalt in den Fokus. Ein Album, das durchaus zum Denken und Diskutieren anstößt.

Faber präsentiert auf seinem Debutalbum 13 Songs, davon Alles Gute und Wer nicht schwimmen kann der taucht schon bekannt von seiner EP Abstinenz (2016). Bleib dir nicht treu erschien 2015 auf Alles Gute. Als Singleauskopplung wurden schon im Vorfeld Nichts, Bleib dir nicht treu, In Paris brennen Autos, Bratislava, So soll es sein und Sei ein Faber im Wind veröffentlicht – ganze sechs Lieder. Neben der Ouverture gibt es also lediglich drei neue Werke – Es könnte schöner sein, Lass mich nicht los und Brüstebeinearschgesicht – zu entdecken.

Neben Texten über Liebeskummer und verschiedene Facetten der körperlichen und geistigen Liebe sind genauso politische und gesellschaftskritische Zeilen auf dem Album vertreten. Faber spinnt seine Texte, oft treten unerwartete Wendungen im Plot auf. Er ruft auf, gegen den Strom zu schwimmen, kritisiert die Konsumgesellschaft und bedient sich an Klischees über die Begrenztheit der Menschen. Dies präsentiert er konstruiert aus einer Mischung von Wortspielen, teilweise recht derber Wortwahl und einer direkten Adressierung an den Hörer.

Die Musik untermalt die Texte, immer abwechslungsreich in Instrumentenwahl und Stil. Faber und seine Kollegen lassen sich nicht in eine musikalische Schublade stecken. Während Lass mich nicht los fast als Blues anmutet, steht Nichts in Swing und Tanzbarkeit dem Song des Affenkönigs Loui im Dschungelbuch um nichts nach. Bratislava hingegen weht orientalische Klänge zu uns. Faber und seine Mitmusiker, allen voran der treue Begleiter Tillmann Ostendarp, spielen nur akustische Instrumente und wirken dadurch authentisch.

Faber wechselt die Rollen wie ein Chamäleon, mal schlüpft er in die Rolle des von Liebeskummer geplagten Ex-Freundes, ein anderes Mal liegt er im Liegestuhl am Swimmingpool am Mittelmeer und stellt makaber fest: Wer nicht schwimmen kann der taucht. 24 Jahre ist er jung, doch wenn man ihm lauscht würde man dies nicht meinen. Zu erfahren klingt er und textet, als hätte er schon vieles gesehen und erlebt. Sein Werk ist schwere Kost. Erfolgsvoraussetzungen für solche Zeilen sind aufmerksame und diskussionsfreudige Hörer. Das weiß auch Faber. Er sei heikel und möchte, dass die Leute ihm zuhören. Die Texte fordern zum Mitdenken auf.

Faber im Wind ReviewWas den Künstler einzigartig machen dürfte ist natürlich seine unvergesslichen Stimme. Vielmehr beherrscht er jedoch auch die Kunst, Situationen aus ungewöhnlichen Perspektiven zu schildern oder aber allzu gewöhnlichen Situationen durch seine Wörter wieder etwas Ungewöhnliches zu geben. Untermalt wird dies durch die veröffentlichten Lyric Videos. Faber hält sich dabei fast immer am Rand des Geschehens, im Hauptgeschehen sind Szenen zu beobachten, die sich in komischer Weise auf den Liedinhalt beziehen. Vieles schwingt zwischen diesen Zeilen, die unausgesprochenen Worte zerschneiden die Menschen Leben Tanzen Welt– Seifenblasen. Und nicht nur die: Faber spricht auch Worte aus, die selten in der deutschen Pop-Musik zu hören sind. Allen voran das Wort Nutte in Sei ein Faber im Wind. Es wurde im Netz zusammen mit Kraftklubs Hure und Von Wegen Lisbeths Bitch heiß diskutiert. Während ein Aufschrei durch das Internet geht, erklärt Faber, für ihn bringe es den gewissen „Wumms“ hinein und sei nur ein Mittel zum Zweck, eine Beschimpfung die in anderen Situationen für andere Menschen austauschbar wäre. Nur im hier und jetzt hat im Wohl die Nutte am besten gepasst. Ist das sexistisch, unbedacht oder ehrlich und die Mitmenschen überempfindlich? Dieser Text soll keine Antworten geben, aber eines steht fest: Faber provoziert. Wenn vielleicht auch nicht beabsichtigt.