„Die Wahl der Instrumente erfolgt bei männlichen und weiblichen Kindern und Jugendlichen offenbar mehr oder weniger stereotyp. In amerikanischen Untersuchungen wurden Schlagzeug, Posaune und Trompete als typisch männlich, Flöte, Violine und Klarinette als typisch weiblich eingestuft.“ (Kleinen, 2003)

Nahezu jeder kann diese Aussage nach eigener Erfahrung bestätigen. Umso erbauender ist es demnach, dass in Natalie Findlays Band aktuell der Part des Schlagzeugs von einer Dame namens Christina Lamas übernommen wird. Ebenso dabei sind Jules Apollinaire an Keyboard, Bass und Gitarre und Ben Simon an der Gitarre. Ganz vorne dran die Namensgeberin selbst mit Gitarre und Gesang. So rockt das britische Quartett die Bühne auf ihrer Europatour im November.

Geboren und aufgewachsen in Manchester, unterzeichnete Natalie Findlay bereits mit 17 Jahren einen Vertrag bei einem Major Label. Dies schien nicht ihren Erwartungen zu entsprechen, so gründete sie ihr eigenes Label, Mint Records. 2015 erschien die EP Electric Bones. Mit Forgotten Pleasures rückte im März 2017 das Debütalbum nach. Kennen könnte man Findlay bereits aus der BMW Kampagne im Jahr 2013 oder als Support Act für AnnenMayKantereit oder Jake Bugg.

Wie eine Schulband wirken die vier, so wie sie auf der Bühne stehen. Natalie Findlay mal im kurzen Mini, mal in der Jogginghose, Glitzer im Gesicht. Sie scheint sich in allen Bereichen wenig einordnen zu wollen, in ihrem ganzen Auftreten genauso wenig wie mit ihrer Musik. Der Sound, den die vier mit sich bringen, rollt voller Energie, lädt zum ungestümen Tanzen ein und hat aber dennoch wenig Heiteres. Etwas drückend, seltener auch melancholisch, dennoch vielseitig.

Als ihre musikalischen Einflüsse benennt die Künstlerin Indie Rock – Beck, Tame Impala, The Velvet Underground – Motown Künstler, Psychedelic Rock, Blues ebenso wie Hip-Hop. Das Internet überschlägt sich mit Vergleichen zu Künstlerinnen wie P. J. Harvey oder auch M.I.A.. Im Vergleich zur relativ heiter-rockigen EP Electric Bones erscheint das nachfolgende Album zwar immer noch rockig, aber drückender und ernster. Sie thematisiert die zerstörende, aber dennoch süchtig machende Kraft der Liebe, den Appetit am Leben, den Zweifel an dem eigenen Ich. Mit viel Power und Bühnenpräsenz bringt sie ihre Musik vielschichtig herüber.

Im Dezember wird die Künstlerin ihre Tour durch Großbritannien fortsetzen. Sicherlich wird ihr Gesicht auch im Neuen Jahr nicht in der Musikszene fehlen. Man darf gespannt auf weitere Produktionen sein.

 

Kleinen, G. 2003 Begabung und Kreativität in der populären Musik. 1. Auflage. LIT