Eine Band mag sich wohl hauptsächlich durch ihre Musik definieren. Dessen ungeachtet gibt es doch weitere Charakteristika, die belangvoll für deren Wirkung auf das Publikum sind. Bei Impala Ray ist das zum einen deren Authentizität, zum anderen die Art und Weise; wie sie ihre Beziehung zueinander nach außen tragen. Bandpapa Rainer Gärtner steht gewiss als Sänger und Geschichtenerzähler im Vordergrund, trotzdem erscheint die Gruppe als kongenialer Haufen. Ganz deutlich erkennbar ist das durch die Platzierung der sechs auf der Bühne. Anstatt zwischen Vorder- und Hintergrund zu unterscheiden, platzieren sich alle nebeneinander in einer Reihe und strahlen so eine harmonische Gleichrangigkeit aus.

Nicht nur durch die Positionierung der Bandmitglieder sticht Impala Ray allerdings hervor, alleine die Instrumentenwahl scheint schon erwähnenswert. Frontmann Gärtner (Gesang, Gitarre) schart ein buntes Sammelsurium aus Hackbrett, Trompete, Tuba, Posaune und Schlagwerk um sich. Die zwei Frauen und vier Männer nennen ihr Klangwerk Bay Folk. Der Name steht sinnbildlich für die Verbindung der Heimat Bayern mit der San Francisco Bay Area, dem West Coast Sound. Weltenbummler mit starkem Bezug zur Heimat, bayerische Hippies. Fast zwei Stunden lang lässt die Gruppe „in der Muffe“ die Sonne scheinen. Band und Publikum tanzen ausgelassen ab der ersten Sekunde, niemand kann sich der guten Laune der Gruppe entziehen. Das Münchner Konzert ist gleichzeitig Tourfinale und Heimkehr. „Wir waren bisschen oben am Meer. Wir waren bisschen unten am Meer“, so Gärtner. Alles läuft „gschmeidig“.

Gleichwohl, am Schönsten ist es doch zuhause. Ihre Heimatverbundenheit bringen die Mädels und Jungs ganz selbstverständlich in den Abend ein. Mit den Bergen im Rücken erzählt Gärtner gerne die eine oder andere Anekdote; von der Oma, der Ziege die zur Gams wurde und verrückten Erlebnissen aus dem Bandleben. Darüber hinaus spaziert er durchs Publikum auf der Suche nach dem Gast mit der längsten Anreise. Die Stimmung ist gut, Gärtners Lachen ansteckend. Mitnichten kommt deswegen die Musik zu kurz.

Eingeläutet wird der Abend von den Stuttgartern Kids of Adelaide. Die beiden Jungs sind keine Unbekannten in der deutschen Indie-Folk-Szene. Visuell minimalistisch, aber klanglich kraftvoll, beide bestückt mit Gitarre und Schlagwerk. So nutzen sie ihre Zeit voll gekonnt aus, um das Publikum aus der Reserve zu locken. Allen Begeisterten legen sie ihr im März erscheinendes Album sowie ihre Rückkehr nach München im April ans Herz. Auf das Duo folgt das Wiener Quartett Farewell Dear Ghost mit einem rockigen, rauchigen Sound. Die Jungs bieten ein abwechslungsreiches Programm und lassen keinen Zweifel an der Tanzbarkeit ihrer Rock-Darbietung. Eine interessante, wenn auch überraschende Wahl des zweiten Support-Acts.

Die Muffathalle ist nicht ausverkauft, aber gut gefüllt mit tanzaffinen Zuhörern, von Jung bis Alt. Impala Ray wissen darum, Instrumente und Stimmen auf verschiedenste Weisen einzusetzen und so trotz des langen Programms keine Langweile entstehen zu lassen. Jeder der Bandmitglieder singt kräftig mit. Vor allem Nicola Missel, die Frau an der Tuba, liefert sich in Bay ein wildes gesangliches Duell mit Gärtner. Ebenso in das Programm geschlichen haben sich ein paar absolute Neuheiten wie Skies und Right. Nach gut eineinhalb Stunden Darbietung taucht das Sextett auf einer kleinen Bühne im Zuschauerraum auf und spielt die Zugabe fast ganz ohne Verstärkung, so wie früher im Englischen Garten. Bevor sie zum Grande Finale auf die Bühne zurückkehren und sich mit Gospel-Chor und Ziegen-Anekdote verabschieden, scharen sie sich um das einzige Mikrofon und beschließen den Abend Seite an Seite.