Southside Festival Highlights am Samstag

1. Billy Talent

Der Sound der vier Kanadier ist ein Manifest: erwachsen, entschlossen, hart, gradlinig. In ihren Songs geht es um Kämpfe, die inneren gleichermaßen wie jene mit der Gesellschaft, in der wir leben. Es geht um Werte, Toleranz, all das, was heute selbstverständlich sein sollte. Es geht darum, Fragen zu stellen, um Freundschaft und Loyalität, es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, und es geht vor allem darum, sich bewusst dafür zu entscheiden die Dinge, die uns nicht passen und die uns nicht repräsentieren, nicht einfach hinzunehmen. Und genau so klingen Billy Talent auch bis zum heutigen Tage. Lyrischer Sprengstoff trifft auf eine Bühnenperformance wie Napalm und einen Livesound wie ein Neujahrsfeuerwerk. Billy Talent sind nach wie vor eine Band, die es vermag den Hörer in Brand zu stecken – wir freuen uns!

2. Two Door Cinema Club

Nachdem sie ihr bisheriges Erwachsenenleben in einer zermürbenden Album-Tour-Promotion-Mühle zugebracht hatten, verordneten sich die drei Schulfreunde eine Pause. Als sie sich den Raum gaben, ihre jeweiligen Identitäten außerhalb der Band zu entdecken, realisierten sie, dass Two Door Cinema Club nur eine Zukunft haben würde, wenn auch die zunehmenden, passiv-aggressiven Spannungen in der Band entschärft und ihre zahlreichen Dämonen bekämpft werden würden. Nachdem sie sich in ihr jeweiliges Zuhause rund um die Welt zurückgezogen hatten – Portland bei Alex, Los Angeles bei Kevin und London bei Sam – begann die Band zunächst, über E-Mail Gedanken und Ideen auszutauschen, die sie während ihrer Pause stimuliert hatten. Nun melden sich Two Door Cinema Club nun mit reichlich frischer Energie zurück. Zurück ans Werk und ab auf die Bühne!

3. Marteria

Ein Ufo landet, heraus tritt ein Alien wie du und ich. Marteria hat in seiner beispiellosen Karriere das Anderssein zur Norm erhoben und damit eine ganze Generation inspiriert. Seine Tunes verströmen die Unruhe und den Ungehorsam, nach dem diese Zeit verlangt. Sie handeln von Rastlosigkeit und von Rebellion, von der Enge des Weltraums und den unendlichen Weiten zwischen den eigenen vier Wänden. Marterias Show ist laut und voller Energie, manchmal extrem persönlich und manchmal explizit politisch, oft unbequem und dabei unverschämt eingängig. Dieser Mann ist der kluge Gegenentwurf zu allem Dicke-Hose-Rap (obwohl er auch das kann), er packt bei den Beats immer das Quäntchen Andersartigkeit obendrauf, der seinen Stylemix so interessant macht und er feiert das Leben, wie es eben gerade so kommt. Da lassen wir uns nicht lange bitten!

4. Haiyti

Haiyti hat Hip-Hop in den vergangenen 18 Monaten einmal auf links gezogen. Die alten Gewissheiten gelten nicht mehr, die vermeintlichen Grenzen zwischen Straße und Avantgarde, Gangsta und Kunst, Untergrund und Pop sind gefallen. Haiyti hat sie eingerissen, als Einzelkämpferin im Über-Macho-Geschäft Deutschrap. Die Rapperin und Sängerin aus Hamburg St. Pauli katapultierte sich an die Spitze einer neuen Generation, der Regeln nichts bedeuten, Freiheit dafür umso mehr. Haiyti selbst nennt es Gangsta-Pop – Geschichten von ganz unten mit Melodien für ganz oben. In dieser Musik vermischen sich radikaler Party-Nihilismus und die Kälte des Milieus mit beispielloser emotionaler Tiefe und absurd eingängigen Hooks. Die Einflüsse reichen von Trap bis Dancehall und Deutsche Welle mit Haiytis ureigener Sprache und Stimme. Das ist Musik aus tiefstem Herzen, direkt in die Fresse. G-Punk, Tropi-Trap und Welthits für ein besseres Morgen, in einem Paralleluniversum voll ehrlicher Halunken.

5. Fjørt

Glücklicherweise geht die atemberaubende Geschwindgkeit, mit der FJØRT ihre Band betreiben, nie zu Ungunsten der Qualität ihres Werks.  Wo andere Bands nach einem kommerziell erfolgreichen Album immer mehr Kanten an ihrem Sound glätten um weniger Hörer abzustoßen, haben Fjørt den entgegengesetzten Weg gewählt und sich selbst ein paar neue, spitze Zähne gefeilt. Fjørt rauschen und kratzen, kommen vollkommen ungebändigt daher. Die Unberechenbarkeit ihrer Kompositionen, die jederzeit zwischen brutalen, von Yage oder Eaves inspirierten, Hardcore-Momenten und majestäsisch weiten Post-Rock-Parts, wie bei Envy oder auch Mogwai, pendelt, findet man lang nicht allerorts.  Auch auf inhaltlicher Ebene wird Galle gespuckt. Und obwohl das musikalische Gewand von Fjørt oberflächlich vielleicht Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung ausstrahlt, sind die Drei nicht bereit aufzugeben. Lang lebe Fjørt!


Wir präsentieren euch unsere Highlights des diesjährigen Southside Festivals. Für jeden Tag haben wir euch ein paar Künstler rausgesucht die ihr nicht verpassen dürft!