Ge Bitte, Madame

Österreich erlebt derzeit einen Musik Boom und liefert in regelmäßigen Abständen Exportschlager ins (vor allem deutschsprachige) Ausland. Dass österreichische Musik auch ohne Austriazismen und gespannten Vokalen überzeugen kann, ist nichts neues. Man denke nur an Left Boy, Parov Stelar oder Leyya. Please Madame können sich hier analog einordnen. Die vier Jungs kommen mit tanzbarem Indie-Rock über die Grenze. Ihre englischsprachigen Texte handeln unter anderem vom Erwachsen werden und der Liebe. Ihr im April 2018 veröffentlichtes Album Young Understanding ist nicht ganz so rockig wie der Vorgänger Escape the Nest (2015), dafür aber diverser.

Im Rahmen ihrer Release-Tour waren wir beim Konzert im Münchner Feierwerk. Dabei überzeugen die Jungs mit einer nahezu zweistündigen Show. Die Stimmung ist freundschaftlich-positiv und tanzfreudig, trotz knapp halb gefülltem Raum. Die Band spielt mit der Atmosphäre. Der Einstieg mutet dank langsamen, schwebenden Melodien und bläulichem Licht psychedelisch an. Schnell verwandeln die vier die Bühne beim ersten Song jedoch in eine bunte, schwirrende Einladung zum Mitwippen. Die Melodien gehen leicht ins Ohr, bald tanzen die ersten Konzertbesucher.

Wie erwartet treten die Bandmitglieder in weißem T-Shirt und schwarzer Röhre auf. Abgelegt haben sie die Melonen, ihr bisheriges Erkennungszeichen. Der Sänger der Band, Dominic Wendl, leitet –keineswegs wortwörtlich – mit Witz durch den Abend. Für einen Witz sei nämlich leider keine Zeit, sonst hätte er gerne einen zum Besten gegeben. So viel Zuspruch für einen Spaß war wohl nicht erwartet worden, galant zieht sich die Band mit dem nächsten Song aus der Affäre. Das Quartett wird ergänzt aus Martin Pöheim am Bass, Laurenz Strasser an der Gitarre und Niklas Mayr am Schlagzeug. Sie geben eine gelungene Mischung aus beiden Alben zum Besten, wirken als gut aufeinander abgestimmte Gruppe und strahlen ein authentisches Wohlbefinden auf der Bühne aus.

Eingeleitet wurde der Abend von der Münchner Band King Pigeon. Auch hier stehen vier Jungs auf der Bühne und überzeugen mit handgemachtem Indierock. Während bei der Vorband das Schlagzeug den Rest der Performance meist noch übertönt, sind die einzelnen Parts beim Hauptact des Abends besser aufeinander abgestimmt.

Auch wenn manch Erzählung zwischen den Songs noch holprig erscheinen mag, an Charme fehlt es nie. Wendl erzählt von der Widmung an seinen Vater bei Rome, leihert sich doch noch einen Witz aus den Rippen („Was ist der Unterschied zwischen einem Musiker und einer Pizza?“) oder lobt das bayerische Bier. Musikalisch bewegen sie sich auf weit raffinierteren Niveau. Ob a-capella Einsatz, Impro-Einlagen oder diverse Soli – Please Madame überzeugt als Live-Band.

Wer sich in nächster Zeit von der Bühnenpräsenz der Gruppe überzeugen will, muss sich auf in die Alpenrepublik machen: die Jungs geben sich am 8. September sowie 12. Oktober in Salzburg, am 29. September in Wien und am 17. November in Graz die Ehre.

Übrigens: Eine Pizza kann eine Familie ernähren.