Zwanzig Minuten vor neun Uhr abends betritt Drangsal unter lautem Jubel und Gekreische die Bühne im ausverkauften Uebel & Gefährlich. Ohne viele Worte stimmt die Band den ersten Song, Jedem Das Meine, an und wird prompt von zahlreichen Stimmen aus dem Publikum begleitet. „Ihr seid so laut, dass ich mich selber nicht mehr höre“, lässt Max Gruber alias Drangsal später am Abend über die in Ekstase mitgrölenden Fans verlauten.

Das Konzert ist, dank dem unermüdlichen Einsatz sämtlicher Fans, eine riesige Party. Es wird getanzt, nicht selten entstehen auch Moshpits. Gewiss nichts Ungewöhnliches bei Konzerten, doch für die Gradwanderung, die Drangsal zwischen Pop und Schlager betreibt, nicht immer üblich. Sehr ruhig beträgt man sich hingegen auf der Bühne: mit der Band absolut im Hintergrund agierend steht nur Drangsal selbst im Rampenschein. Sein Einsatz konzentriert sich auf die Musik, es gibt wenig Tanz, Show und Worte – dafür umso mehr auf Seiten des Publikums.

Drangsal scheint kein festgefahrenes Programm zu haben. Er unterhält sich salopp nach Lust und Laune mit dem Publikum. Die ersten Worte, die er verlauten lässt: „Tanzen!“ Das braucht niemand zweimal zu sagen. Mit viel trockenem Humor lässt er ab und an von sich hören. Seine Worte haben selten keinen ironischen Unterton, er scheint belustigt von der Aufregung um seine Person. Selbst bezeichnet er sich im Interview mit Puls als „ein von ADHS geplagter Teenie im Herzen“. Drangsals eigenes Verhalten vermag jedoch weniger Einfluss auf die Dynamik des Konzerts zu haben als die Euphorie seiner Fans.

Selbst bei der Vorband Pabst ist der Club schon voll und die Stimmung am Brodeln. Die Berliner Pabst deklarieren die eigene Musik als „Bleichbad aus Grunge, Garage- und Indie Rock“. Trotz des gegensätzlichen Musikstils schaffen sie es, Drangsals Fans für sich einzunehmen. Während die Vorband 2017 für den Anchor Award nominiert war, fasst Drangsal ganz andere Ziele ins Auge: „Ich hätte Lena Meyer-Landruth sein können!“ schleudert er nach der ersten Zugabe ins Publikum. Tatsächlich hatte der Hashtag #DRANGSAL4ESC2019 ihm nicht den gehofften Sieg eingefahren und auch die vorherigen Jahre hatte er kein Glück – das passende Statement gibt es auf der Instagram-Seite des Künstlers zum Nachlesen.

Natürlich spielt Drangsal an diesem Abend auch Eine Geschichte sowie Und du? Vol. II, zu den beiden Liedern wurde vor kurzem ein Video veröffentlicht. Von und mit Maximilian Wiedenhofer, Daniel Richter, Lars Eidinger und einigen nackten Drangsal Fans, von denen der Künstler selbst zwei vor Ort begrüßte.

Zum krönenden Abschluss gibt Drangsal Tausend Mal berührt zum Besten und beendet so den Abend ganz im Sinne des leichten Pops und der eingängigen Liedzeilen. Dank seiner unermüdlichen Fans konnte Drangsal mit den Besuchern des Abends ein großes Fest feiern, wird aber nicht aufgrund bedeutender Inhalte in die Geschichte eingehen.