Konzert im Kino. Okay, hört sich erstmal ein bisschen komisch an, die Schauburg Dresden passte als Location jedoch perfekt in das Gesamtkonzept der Tour, welche akustisch & ohne Drums gehalten war.

Die besondere Atmosphäre war schon beim Einlass spürbar, alles total relaxed, trotz Bestuhlung und freier Platzwahl. Wenn ich an andere Veranstaltungen denke wird mir Angst und Bange, bei einem solchen Setting wird der Mensch in der Regel zum scheuklapprigen Einzelkämpfer. Ein bisschen Glück gehört natürlich immer dazu, also konnte ich trotz unverfrühter Anwesenheit noch easy einen Platz in der ersten Reihe einnehmen.

Los ging’s mit der Vorband „Novaa“. Also das ergab die Recherche. Im Set stellte die Sängerin lediglich sich selbst als Nova vor, ihr Gitarrist heißt Hannes. Das Duo macht ziemlich feinen Electro-Pop, ausnahmsweise mit sehr tiefgründigen Texte. Dass die relativ eindimensionale Instrumentalisierung nicht flach klingt liegt vor allem am überaus gelungenen Einsatz von Effekten, sowohl am Gesang, als auch an der Gitarre, respektive Fußtreter-Bass-Maschine von Hannes. Die fehlenden Beats in der Akustik-(eher drumless) Version fehlten gar nicht so sehr. Man wurde eingeladen auf eine Reise durch die Gefühlswelt von Novaa, völlig ohne gefühlsduselige Redundanz zu verspüren, dafür mit ganz viel Mitnahmepotenzial; selten konnte mich mir völlig unbekannte Musik so abholen. Novaa wird nicht mehr lange ein „Geheimtipp“ bleiben. Für alle Neugierigen gibt’s hier einen Eindruck der neuen Single „Almond Eyes“.

Nach ner guten halben Stunde ging’s dann schon weiter mit dem Hauptact, ein bisschen schade eigentlich, denn Novaa hatte gefühlt nicht nur mich völlig in den Bann gezogen, ein paar Minütchen mehr hätten es schon noch getan.

Mighty Oaks traten gewohnt sympathisch und unfassbar entspannt auf. Das gesamte Konzert wirkte eigentlich gar nicht wie ein Konzert, eher wie ein Gathering unter Freunden (Band & Publikum) für ´nen gemeinsamen Abend mit ein bisschen Musik nebenbei, und das war auch gut so. Die Routiniers arbeiteten sich einmal quer durch ihr gesamtes Repertoire, sodass für jeden etwas dabei war. Sie erklärten, dass sie anfangs die Uptempo Songs weglassen wollten, was sie aber Gott sei dank dann doch noch ins Set packten. Einziges klassisch rhythmisches Instrument war die Bassdrum, welche Frontman Ian Hooper gelegentlich trat. Man wurde das komplette Konzert über in weiche Watte gepackt und dem Alltag entrissen. Ein zusätzliches Highlight stellte die Zugabe dar. Die 3 Jungs waren komplett „unplugged“ unterwegs und versammelten sich stehend im Halbkreis vor einem einzigen Großmembranmikro, welches den Raumklang perfekt einfing. So geht Musik, ganz großes Kino!